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Die Sprachen von Kambodscha

Die wichtigste Sprache im Land ist die offizielle Landessprache Khmer. Sie ist nach Vietnamesisch die am häufigsten gesprochene Sprache der austroasiatischen Sprachfamilie und entwickelte sich aus dem mittelalterlichen Mon-Khmer. Anders als viele andere asiatische Sprachen ist Khmer keine tonale Sprache, d.h. Wörter erhalten keine unterschiedlichen Bedeutungen durch die jeweilige Betonung bzw. Tonhöhe. Dies macht Khmer gerade für westliche Besucher leichter zu lernen als beispielsweise Thai oder Vietnamesisch. Khmer besitzt eine eigene Schrift und kann in mehrere unterschiedliche Dialekte unterteilt werden.

Als Vater des modernen Khmer gilt der Mönch Chuon Nath, dem zu Beginn des 20. Jahrhunderts der steigende Einfluss der französischen Kolonialmacht sauer aufstieß. Nachdem sich Französisch immer mehr zur Sprache der gebildeten Oberschicht entwickelt hatte, griffen einheimische Gelehrte wie Chuon Nath zu Gegenmaßnahmen und übersetzten den gesamten buddhistischen Kanon aus Pali in Khmer. Für moderne französische Begriffe wurden neue Khmer-Worte entwickelt. Das von den Gelehrten entwickelte Wörterbuch des modernen Khmer ist bis heute in Gebrauch.  Chuon Nath wurde ein Denkmal in Form einer Wachsfigur im Cambodian Cultural Village von Siem Reap gesetzt.

Sprachen der Minderheiten

Zu den wichtigsten Minderheiten Kambodschas gehören die Cham, die in der Grenzregion zu Vietnam heimisch sind und in beiden Ländern leben.  Ein Kuriosum ist dabei die Tatsache, dass die Cham-Sprache nur noch in Vietnam ihre eigene Schrift verwenden, während die Cham in Kambodscha die arabische Schrift nutzen. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die „westlichen Cham“ (in Kambodscha) im Laufe der Zeit zum Islam konvertierten, während die „östlichen Cham“ in Vietnam dem Hinduismus anhängen. Während der französischen Kolonialzeit wurden beide Hälften gezwungen, in lateinischer Schrift zu schreiben.

Zu den anderen weit verbreiteten Sprachen der Minderheiten gehören Tampuon, Kuong, Jarai und P’nong, die von jeweils rund 30.000 Menschen vor allem im Norden und Nordosten Kambodschas gesprochen werden. Andere Sprachen sind jedoch vom Aussterben bedroht. So sorgte 2010 ein UNESCO-Bericht für Aufsehen, wonach es nur noch zehn Menschen in einem einzigen Dorf gab, die die Sprache S’aoch sprachen. Auch Somray, Poa, Samre und So’ong gelten mit nur noch einigen wenigen hundert Sprechern als bedroht.

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Fremdsprachen in Kambodscha

Die am weitesten verbreiteten Fremdsprachen sind aufgrund der großen Bevölkerungsgruppen Vietnamesisch und Chinesisch.  Europäische Fremdsprachen werden dagegen nur selten gesprochen. Englisch ist natürlich führend in den touristischen Regionen und Reisende werden sich zumindest in Siem Reap, Phnom Penh und Sihanoukville gut mit Englisch verständigen können.

Anders als in den anderen ehemaligen französischen Kolonien Vietnam und Laos ist das Französische in Kambodscha heute kaum verbreitet.  Es erhielt nie den Status einer offiziellen Regierungssprache wie in den Nachbarländern und die französisch sprechende Oberschicht wurde von den Khmer Rouge in den späten 70er Jahren systematisch ermordet. Mittlerweile ist die französische Sprache wieder leicht im Aufwind, liegt aber in den Schulen weit hinter Englisch zurück.

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