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Die Roten Khmer von Kambodscha

Die Roten Khmer waren eine kommunistische Guerillabewegung, die von 1975 bis 1979 von Pol Pot, Nuon Chea, Ieng Sary, Son Sen and Khieu Samphan geleitet wurde und das Wiederbeleben des Reiches von Angkor plante. Die Gebiete, die im Laufe der Geschichte an Thailand und Vietnam gefallen waren, sollten zurückerobert werden, es sollte ein autarker, kommunistischer Bauernstaat entstehen. Zu diesem Zweck wurden alle Grenzen geschlossen und alle Verbindungen ins Ausland abgebrochen.

Stadtbewohner mussten ihr gewohntes Leben aufgeben und ihr Hab und Gut innerhalb von 48 Stunden zusammenpacken, um als Bauern und Landarbeiter auf dem Feld täglich zwölf Stunden Schwerstarbeit zu verrichten. Familien wurden getrennt und unterschiedlichen Arbeitsbrigaden zugeteilt. Klassenunterschiede sowie Individualität sollte auf ein Minimum reduziert werden. Daher wurden die Menschen gezwungen, schwarze Einheitskleidung und den gleichen Haarschnitt zu tragen. Persönliches Eigentum und religiöse Betätigungen wurden verboten. Auch war es nicht gestattet, Gefühle in der Öffentlichkeit zu zeigen. Schließlich wurden viele Intellektuellen (hier reichte schon eine Brille als Indiz), dann alle Kambodschaner chinesischer und vietnamesischer Abstammung, gezielt umgebracht.

Schädel der Opfer auf den Killing Fields

Schädel der Opfer auf den Killing Fields

Die Roten Khmer ließen zudem weitere Hunderttausende als Feinde der Revolution foltern und hinrichten. Im Tuol Sleng-Gefängnis spielten sich grausame Szenen ab, die Inhaftierten wurden systematisch zu Tode gefoltert. Auch auf den vor Phnom Penh liegenden Killing Fields wurde auf barbarische Weise gefoltert und getötet. Schwangere wurden aufgeschlitzt, die Föten wurden vor deren Augen an Hunde verfüttert, Kinder und Babys wurden gegen Bäume geschleudert, um Munition zu sparen. Insgesamt kamen durch die Herrschaft der Roten Khmer 1,7 Millionen Menschen ums Leben. Sie starben durch Hungersnöte, Seuchen und Zwangsarbeit.

Zelle im S21-Prison von Phnom Penh

Zelle im S21-Prison von Phnom Penh

1979 nahm der Horror schließlich ein Ende. Vietnamesische Truppen marschierten in das Land ein und beendeten die Diktatur Pol Pots.

Im Jahre 1998 verstarb Pol Pot – unbehelligt. Wie später bekannt wurde, hatte er sich eine Überdosis eines Medikamentencocktails verabreicht, nachdem er erfahren hatte, dass Chhit Choeun, einer der Führer der Roten Khmer, den USA seine Auslieferung angeboten hatte. Nachdem jahrelang keiner die Führer des Regimes zur Rechenschaft gezogen wurde, wurden schließlich viele verhaftet und wurden bzw. werden gegenwärtig vor dem Kriegsverbrechertribunal verurteilt.

Im Juli 2010 wurde der ehemalige Leiter des Foltergefängnisses Tuol Sleng (S-21) Kaing Guek Eav alias Duch zu 35 Jahren Haft verurteilt. Das Völkermordtribunal betonte, dass Duch, ein ehemaliger Mathematiklehrer, für den Tod von über 12.000 Menschen verantwortlich sei, es aber nicht genug Beweise gäbe, dass Duch selbst seine Opfer gefoltert habe.

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Duch ist der erste von insgesamt fünf Angeklagten, denen nun der Prozess gemacht wird. Angeklagt sind des Weiteren der damalige Staatschef Khieu Samphan sowie Nuon Chea, die Nummer Zwei unter den Drahtziehern des Roten-Khmer-Regimes.

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